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Wie Wirth im Zuchthaus Strümpfe strickte - Chawwerusch im Homburger Johanneum
Von Martin Baus
"Chawwerusch" ist ein Begriff aus dem Rotwelschen, einer Sprache, die früher von allerhand fahrendem Volk, Vagabunden und lichtscheuen Gestalten verwendet wurde, wenn sie sich zu einer Art Diebesbande zusammenschlossen. "Chawwerusch" ist heute der Name eines Ensembles, das in der überregionalen Theaterszene längst ein Begriff ist. Im Sommer, am Freitag, 31. August genau, wird nun Homburg Schauplatz einer Open-Air-Aufführung von "Chawwerusch" sein: "Hambach 2 - Rote Socken für Metternich" lautet der Titel des Stückes, mit dem vielköpfige Mimengruppe auf Einladung der Siebenpfeiffer-Stiftung im Johanneum gastieren wird.
"Wo sonst sollte ein solches Stück aufgeführt werden, wenn nicht in Homburg?", fragte Clemens Lindemann. Der Landrat des Saarpfalz-Kreises, der auch Vorsitzender der Siebenpfeiffer-Stiftung ist, erinnerte wie Oberbürgermeister Joachim Rippel mit dieser rhetorischen Frage daran, dass ohne die Ereignisse in Homburg das Hambacher Fest nicht möglich gewesen wäre. Das 175.Jubiläum dieser mit 30.000 Teilnehmern größten Demonstration für Demokratie und Freiheit in Deutschland im 19. Jahrhundert wird in diesem Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert.
"Für die saarpfälzische Region war die Gründung des Preß- und Vaterlandsvereins das wichtigste Ereignis des Jahres 1832. Das haben wir mit unserem Festbankett Ende Januar auch gebührend gewürdigt", betonte Lindemann. Aber auch die "einfachen Menschen" hätten großen Anteil am Hambacher Fest genommen - vom Homburger Marktplatz aus seien etwa 80 Männer und Frauen mit Leiterwagen, zu Fuß oder auf Pferden aufgebrochen, um am 27. Mai 1832 in Hambach mit von der Partie zu sein. "Deshalb ist die Aufführung des Theaterstückes hier in Homburg durchaus richtig platziert", meinte der Landrat.
"Chawwerusch"-Projektleiterin Monika Kleebauer informierte im Stadtcafé des alten Homburger Rathauses bei der Vorstellung über Details: "Unser Ensemble wird das Hambach-Stück zehnmal unter freiem Himmel im Hambacher Burghof aufführen. Für acht weitere Vorstellungen sind wir dann auch Wanderschaft, unter anderem in Homburg". Neben den Mimen selbst wird ein ganzer Chor dabei sind, um die Freiheitslieder der damaligen Zeit zu intonieren. Inhalt der Inszenierung selbst sei der Alltag der "kleinen Leute" damals, die es zwar schwer hatten, ihr Dasein zu bestreiten, aber dennoch aktiv an der liberalen Bewegung teilhatten.
Eine gewichtige Rolle im Stück wird der Person von Johann Georg August Wirth und seiner Frau Regina zukommen, der im ersten Vierteljahr 1832 von Homburg aus seine Zeitung "Deutsche Tribüne" herausgab und damit in ganz Deutschland für Aufregung sorgte.
Mit Wirth, so Monika Kleebauer, hänge auch der Untertitel der Aufführung zusammen; "Während seiner Haft musste er zur Strafe jede Woche einige Paar Strümpfe stricken, daher der Bezug zu den Socken". Und Metternich war damals verantwortlich für ein Spitzelsystem, das für die damaligen Verhältnisse der Gestapo oder der Stasi in nichts nachstand, freilich über ganz Europa reichte.
Da weite Teile des Landcommissariats Homburg zu Zeiten Siebenpfeiffers in den heutigen Kreis Kusel hineinreichten, ist dieser quasi Kooperationspartner: Wie Landrat Winfried Hirschberger erläuterte, werde "Chawwerusch" mit dem gleichen Stück am Mittwoch, 6. Juni, auch auf Burg Lichtenberg gastieren. Drei Tage vorher, am 3. Juni, und an gleicher Stelle wird es außerdem einen Liederabend mit Hein und Oss Kröher sowie der Gruppe Espe geben, die sich eigentlich aufgelöst ist, sich aber eigens für dieses Ereignis wieder zusammentun wird.
Karten für den Auftritt von "Chawwerusch" im Homburger Johanneum, der in Kooperation mit der Volkshochschule Homburg und der Kreissparkasse Saarpfalz, stattfindet, sind erhältlich ab Mitte Mai in Homburg bei der Siebenpfeiffer-Stiftung, Traudel Neumüller, Tel. 06841/104-417 oder Mail traudel.neumueller@saarpfalz-kreis.de sowie der Volkshochschule Homburg, Christa Marx, Tel. 06841/101-208, Mail: vhs@homburg.de. Kartenreservierungen sind ab sofort möglich.
Bildtext:
Rote Socken für Metternich: Auf Einladung der Siebenpfeiffer-Stiftung gastiert das Chawwerusch-Theater mit seinem Hambach-Stück in Homburg. Oberbürgermeister Joachim Rippel, Landrat Clemens Lindemann, Monika Kleebauer, der Kuseler Landrat Winfried Hirschberger sowie Hans Bollinger von "Espe" informierten über die verschiedenen Projekte zum 175. Jubiläum des Hambacher Festes.
Foto: Martin Baus
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| Franz Alt diskutiert mit Schülern über Zukunftsthemen Von Martin Baus
Zivilcourage, Ökologie, Nachhaltigkeit sind die Themen, die Franz Alt auf Einladung der Siebenpfeiffer-Stiftung mit Jugendlichen diskutiert. In insgesamt sechs Schulen wird er in der zweiten Septemberwoche zu Gast sein. Das Foto zeigt den Journalisten bei seinem Besuch im Von-der-Leyen-Gymnasium Blieskastel vor zwei Jahren.
"Frieden ist möglich" lautete der Titel jenes Buches aus seiner Feder, das zu einem viel gelesenen Bestseller avancierte, als Moderator des Fernsehmagazins "Report" erregte er wegen seiner unverhohlenen Kritik an Missständen allenthalben Anstoß, nicht erst seit Kurzem ist der ökologische Umbau der Gesellschaft sein Thema: Von Franz Alt ist die Rede. Auf Einladung der Siebenpfeiffer-Stiftung wird der Journalist und Buchautor im September auf "Tournee" gehen, um in Schulen mit jungen Leuten über Zukunftsthemen und Nachhaltigkeit zu diskutieren.
"Wir möchten damit insbesondere Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Oberstufe die Möglichkeit bieten, mit Trägern des Siebenpfeiffer-Preises über Pressefreiheit und über aktuelle Themen zu diskutieren, erläutert Clemens Lindemann den Hintergrund jener Veranstaltungsreihe, die jetzt, zum Beginn des neuen Schuljahres, stattfindet. Nach Angaben des Landrates, der auch Vorsitzender der Siebenpfeiffer-Stiftung ist, wird Franz Alt in insgesamt sechs Schulen zu Gast sein. Der Journalist und Buchautor war 1987 mit dem ersten Siebenpfeiffer-Preis ausgezeichnet worden. Veranstaltet wird diese Reihe gemeinsam von der Siebenpfeiffer-Stiftung und der Stiftung Demokratie Saar.
"Demokratische Grundrechte sind nicht vom Himmel gefallen, sondern das Ergebnis des oft leidvollen Engagements couragierter Persönlichkeiten. Diese Zusammenhänge deutlich zu machen ist das erklärte Ziel der Siebenpfeiffer-Stiftung", unterstreicht Clemens Lindemann. Mit dieser "Vortragsreise" verbinde man das Interesse, mit jüngeren Menschen ins Gespräch zu kommen und "sie für das hohe Gut der Demokratie zu sensibilisieren, aber auch auf akute oder latente Bedrohungen aufmerksam zu machen". Die Träger des Siebenpfeiffer-Preises seien zu einer solchen Auseinandersetzung besonders geeignet, weil sie mit ihrer stets kritischen Berichterstattung nicht nur auf bestehende Gefahren hingewiesen haben, sondern deswegen auch einem enormen öffentlichen Druck ausgesetzt waren. "Demokratie braucht mutige Verteidiger, und jene Journalisten, die mit dem Siebenpfeiffer-Preis ausgezeichnet worden sind, haben im besten Sinne Siebenpfeiffers die Öffentlichkeit auf Bedrohungen hingewiesen und über Probleme aufgeklärt - oft ohne Rücksicht auf persönliche Risiken und Opfer", skizziert der Vorsitzende der Stiftung weiter.
Die "Diskussionstour" mit Franz Alt sein ein Mosaikstein in dem Versuch, "die Sinne für die politischen Vorgänge zu schärfen".
Franz Alt stand zu Beginn der 1980er Jahre, als die "Nachrüstung" die größten Demonstrationen der deutschen Nachkriegsgeschichte zur Folge hatte, speziell mit seinem Buch "Frieden ist möglich" und seinem TV-Politmagazin "Report" im Kreuzfeuer der Kritik und war massiven Anfeindungen ausgesetzt. Der studierte Politikwissenschaftler und Historiker - er promovierte über Konrad Adenauer - war Leiter der Zukunftsredaktion "Zeitsprung" beim Südwestrundfunk (SWR). Außerdem moderierte er bis zu seiner Pensionierung die Magazine "Quer-Denker" und "Grenzenlos" beim Sender 3SAT. In seinen jüngsten Büchern, die er im Rahmen seiner Schul-Stippvisiten auch vorstellen wird, befasst er sich mit brisanten Themen wie "Agrarwende jetzt" oder "Krieg um Öl oder - Frieden durch die Sonne".
Folgende Schulen stehen nun auf dem Programm:
Montag, 11. September, 11 - 13 Uhr: Gesamtschule Bexbach;
Dienstag, 12. September, 8 - 10 Uhr Johanneum Homburg und danach (von 11 - 13 Uhr) Saarpfalz-Gymnasium Homburg;
Mittwoch 13. September, 8.20 - 10.15 Uhr, Leibnitz Gymnasium St. Ingbert, sowie von 11 - 13 Uhr Helmholtz-Gymnasium Zweibrücken
Donnerstag. 14. September, 9-11 Uhr, Gymnasium am Krebsberg Neunkirchen
Grundsätzlich seien die Veranstaltungen öffentlich, also nicht nur Schüler und Schülerinnen seien willkommene Gäste, sondern alle Interessierten. Weitere Informationen gibt es bei der Siebenpfeiffer-Stiftung im Homburger Landratsamt, Tel. 06841/104418 oder auf der Internet-Seite von Franz Alt www.sonnenseite.com.
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| Siebenpfeiffers Geburtsstadt Lahr tritt der Siebenpfeiffer-Stiftung bei 
von Martin Baus
Zuwachs bekommen hat die Siebenpfeiffer-Stiftung: Neu im Bunde der Mitglieder ist die Stadt Lahr in Baden-Württemberg. Damit zählt die 1989 gegründete Stiftung nunmehr zehn Träger. Im alten Rathaus der südbadischen Stadt besiegelten deren Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller und der saarpfälzische Landrat Clemens Lindemann als Vorsitzender die Zusammenarbeit. Den Rahmen dafür bot die Tagung, die der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) Baden-Württemberg und die Siebenpfeiffer-Stiftung zum Thema "Die geschundene Freiheit" in Lahr veranstalteten. Die Musik zur Feierstunde, die als "republikanisches Freiheitsfest" in der Stadtmitte stattfand, kam von der saarländischen Gruppe "Espe" sowie von dem elsässischen Liedermacher und Kabarettisten Roger Siffer.
Für das Lahrer Stadtoberhaupt stand es außer Zweifel, dass der Beitritt in die Siebenpfeiffer-Stiftung "ein Akt der Notwendigkeit" darstelle: "Schließlich hat der liberale Publizist und Initiator des Hambacher Festes 1789 in Lahr das Licht der Welt erblickt und seine Kindheit hier verbracht". Trotz ärmlicher Verhältnisse und schweren Schicksalsschlägen habe der "große Lahrer Sohn" seinen Weg in die Geschichtsbücher gefunden.
Stiftungsvorsitzender Clemens Lindemann freute sich über das neue Mitglied, gerade auch vor dem Hintergrund des 175. Jahrestages von Hambach: "Mit dem Beitritt der Stadt fügt sich zusammen, was schon lange zusammengehört". Auch in seiner Heimatstadt habe der Vordenker in Sachen Demokratie und Pressefreiheit seine Spuren hinterlassen - etwa in Gestalt des "Lahrer Hinkenden Boten", den sein Vetter Johannes Friedrich Rost in der Revolutionszeit 1848/49 herausgab.
Die Zugehörigkeit Lahrs stärkt nach den Worten von Lindemann die Siebenpfeiffer-Stiftung in der Bewältigung ihrer selbst gestellten politischen, pädagogischen und wissenschaftlichen Auftragsfelder. Über die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Biographie Siebenpfeiffers waren die Kontakte von der Geschäftsstelle der Stiftung in Homburg und dem Lahrer Stadthistoriker geknpft und der Beitritt in die Wege geleitet worden. Dabei stieß man auf einen merkwürdigen Zufall: An Stelle des Siebenpfeifferschen Elternhauses in Lahr befindet sich heute im Schatten der Stiftskirche ein Gebäude, in dem die evangelische Kirchengemeinde und das Dekanat untergebracht sind. In Homburg befinden sich auf dem Standort des 1962 abgerissenen Siebenpfeifferschen Domizils und Dienstsitzes ebenfalls die evangelische Kirchengemeinde und die Verwaltung des Dekanates Homburg.
Die aktuelle "Presselandschaft" beleuchtete Karl Geibel, der Vorsitzende des baden-württembergischen Journalistenverbandes. Journalisten üben nach seinen Worten heute einen "bedrängten Beruf" aus. Insbesondere frei arbeitende Journalisten seien durch die "ausufernden Monopolstellungen weniger Medienkonzerne" auch wirtschaftlich bedroht. Geibel bemängelte die Einschränkung der Pressefreiheit durch ökonomische Beweggründe, gerade auch in Lokalredaktionen. "Über 50 Prozent alle Landkreise in Deutschland werden nur noch von einem Medien um versorgt", erklärte er. Durch diese einseitige Sichtweise würden die "Freiheitsrechte der Bürger torpediert". Geibels Fazit: "Siebenpfeiffers Forderungen sind angesichts dieser Situation nach wie vor brandaktuell".
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