Philipp Jakob Siebenpfeiffer
Als sich am 27.Mai 1832 nahezu 30000 Menschen in Neustadt an der Haardt versammelten und auf das Hambacher Schloss zogen, um demokratische Grundrechte und Einheit demonstrativ einzufordern, spielte Philipp Jakob Siebenpfeiffer als Initiator und Hauptredner dieses "Hambacher Festes" eine entscheidende Rolle.
Siebenpfeiffer, 1789, dem Jahr der Französischen Revolution also, im badischen Lahr geboren, war zu jener Zeit einer der führenden Köpfe der bürgerlich-liberalen Opposition und als solcher weit über die Grenzen des rheinbayrisch-pfälzischen Raumes hinaus bekannt.
Nach dem Studium in Freiburg war er zunächst Beamter in österreichischen und bayrischen Diensten, danach von 1818 bis 1830 als Landcommissär im pfälzischen Homburg. Ab 1830 trat indes die kritische journalistische Tätigkeit in den Mittelpunkt: Resigniert und enttäuscht angesichts der Untätigkeit der Regierung gegenüber den wachsenden Problemen des Landes, entschloss er sich mit journalistischen Mitteln gegen Missstände anzugehen. Siebenpfeiffer gab unter anderem die Zeitschrift "Rheinbayern" heraus. Darin griff er die politischen, wirtschaftlichen und auch sozialen Probleme auf und betonte die dringende Notwendigkeit von Reformen, ja, er forderte eine Revolution auf gesetzlichem, friedlichem Weg ohne Waffen.
"Die Aufgab' ist, Stoff zu bieten, nicht zum Lesen, sondern zum Denken", lautete das Leitmotiv seiner Zeitschrift. Mit dieser und weiteren Publikationen wie etwa dem "Boten im Westen" erregte er weithin Aufsehen; bei der Obrigleit stieß Siebenpfeiffers liberal-demokratisches Gedankengut allerdings auf wenig Gegenliebe.
Das bayrische Königshaus reagierte umgehend und versetzte ihn als Zuchthausdirektor nach Kaisheim. Siebenpfeiffer prozessierte unter wachsender Solidarisierung der Bevölkerung erfolgreich gegen diese Versetzung, intensivierte seinen oppositionellen Journalismus sogar.
Sein unerschrockenes Engagement hatte persönliche Repressalien zur Folge. Sie gipfelten - nach der Entlassung als Landcommissär - in Prozessen in Landau, wo er mit den Rednern des Hambacher Festes sensationell freigesprochen wurde, und in Frankenthal, wo er von einem Zuchtpolizeigericht wegen Beamtenbeleidigung zur Höchststrafe von zwei Jahren verurteilt wurde.
Nach der Flucht aus dem Gefängnis fand Siebenpfeiffer Asyl in der Schweiz. In Bern arbeitete er als Professor für gerichtliches Verfahren, Polizeirecht und Staatswissenschaften.
Siebenpfeiffer starb 1845.
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